Ich las von einem frommen Mönch, Filippo Neri, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Rom lebte. Er war nicht nur wegen seiner Gelehrsamkeit, sondern auch wegen seiner Demut und Bescheidenheit weit und breit geliebt und geehrt. Der bekam einst vom Papst den Auftrag, ein Kloster zu besuchen, dessen Äbtissin in dem Ruf stand, eine Heilige zu sein und Wunder tun zu können. Neri sollte sehen, was Wahres an dem Gerücht sei. Bestaubt und beschmutzt langte er nach längerer Reise im Kloster an, wo er als Abgesandter des Papstes freudig empfangen wurde. Als er Platz genommen hatte, näherte sich ihm die Äbtissin und erwartete ein Lobeswort für ihre Verdienste. Filippo aber deutete auf seine schmutzigen Schuhe und sagte: „Ich bitte dich, zieh mir die Schuhe aus und reinige sie.“ Empört wandte die Äbtissin sich ab. Filippo aber, ohne ein Wort weiter zu sagen, verließ das Zimmer, bestieg sein Maultier und kehrte zum Papst zurück. Sein Bescheid lautete: „Sie ist keine Heilige.“ – „Aber wie konntest du das so schnell herausfinden?“, fragte der Papst. – „Sie ist nicht demütig und kann nicht dienen,“ lautete Neris Antwort.
Sie ist keine Heilige, sie kann nicht dienen
Bibelreferenz: Johannes 13,2-5
Schlagwörter: Demut, Bescheidenheit, Einfachheit, Stolz, Überheblichkeit, Dienstbereitschaft
Ähnliche Produkte
„Bitte keine Ehrung“ (Peter Rosegger)
Peter Rosegger hatte für den Bau einer evangelischen Kirche in seiner Waldheimat durch einen Aufruf, den er an 72 Zeitungen…Schlagwörter: Demut | Bescheidenheit | Einfachheit
Pastor Kemner und der verlorene Knopf
H. Kemner erzählt: Die Glocken läuten. Eben ziehe ich mir den Talar an. Agende und Bibel liegen bereit. Plötzlich merke…Schlagwörter: Demut | Bescheidenheit | Einfachheit | Bekenntnis der Sünde | Verheimlichung der Sünde | Heiligung | Vollkommenheit



Aberglaube / Spiritismus / Wahrsagerei / Zauberei