Eine junge, akademisch gebildete Dame erkrankte ernstlich. Als ihr Vater, ein gläubiger Mann, sie dann auf die Ewigkeit hinwies, sagte sie: „Sprich nicht mit mir darüber. Du willst mich nur aus dem Wege haben, aber ich werde noch lange genug leben, um alles, was du in der Welt hast, zu genießen.“ Er verließ sie. Am folgenden Abend sagte die Haushälterin zu ihr: „Fräulein, Sie sehen heute nicht so gut aus.“ – „Nicht so gut?“ schrie die Kranke – „mir geht’s viel besser! Warum sprechen Sie mit mir vom Sterben?“ – „Sicher geht es Ihnen heute nicht so gut, lassen Sie doch das Mädchen heute Nacht bei Ihnen wachen.“ – „Nein, ich sterbe noch nicht!“ Sie gingen dann zu Bett. Um 4 Uhr morgens aber weckte die Kranke das Mädchen und dieses fragte: „Was ist Ihnen? Geht es Ihnen nicht gut, Fräulein?“ – „Ja, Hanna, ich sterbe, ich sterbe!“ Die Familie wurde geweckt und als die Haushälterin eintrat, rief die Sterbende ihr entgegen: „Ich will jetzt noch nicht sterben! Ich bin entschlossen, sterben will ich nicht! Ich will leben!“ Als sie sich schlechter und schlechter fühlte, sagte sie: „Ich fühle, ich muss sterben“, und im Todeskampf rief sie aus: „Herr, was muss ich tun?“ Das Dienstmädchen sagte: „Sie müssen sich an den Heiland wenden.“ Da aber fiel sie schon auf ihrem Bett zurück und im nächsten Augenblick war sie tot.


Aberglaube / Spiritismus / Wahrsagerei / Zauberei