Gott ahnen, das ist die Religion unserer Tage

Gott ahnen, das ist die Religion unserer Tage: „Ich horche auf das Rauschen meines Blutes und ahne Gott.“ „Ich sehe die Natur, und sieh, in allem ist Gott.“ „Ich sehe eine große Aufgabe und ahne die Fußtapfen Gottes.“ Ich war einst im Gespräch mit einem jungen Mann. Der erzählte mir: „Ich habe auf der Schneekoppe einen Sonnenaufgang erlebt. Diese Stille! Diese Feierlichkeit! Da habe ich Gott geahnt, und das genügt mir.“ Es war wirklich mit Inbrunst gesagt, und es war darum vielleicht pietätslos von mir, dass ich dann lachte und sagte: „Was sind Sie für ein Narr! Sie kommen mir vor wie ein Goldgräber, der Gold sucht und sagt: Ich ahne eine Goldader zwanzig Meilen von hier, und das genügt mir.“ W. Busch in „Der Gott der Wirklichkeit“.

Quelle

Haug, Martin: Er ist unser Leben (Verlag von J.F.Steinkopf in Stuttgart, 1941)

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