Eric Liddell – der Mann, der am Sonntag nicht lief

Eric Liddell kam 1902 in China zur Welt. Seine Eltern waren Missionare aus Schottland. Als Eric fünf Jahre alt war, wurde er zusammen mit seinem älteren Bruder Robbie zurück auf die Britischen Inseln geschickt, um dort in London zur Schule zu gehen. Die beiden Jungen vermissten ihre Eltern und ihre kleine Schwester sehr, entwickelten sich in dem Internat »für Missionskinder« aber sehr gut. (Die Schule wurde später in Etham College umbenannt.)

Allen in der Schule fiel schnell auf, dass die Liddell- Brüder geborene Athleten waren. Sie spielten Rugby und Kricket und machten bei allen möglichen Leichtathletik-Disziplinen mit: Querfeldeinrennen, Hochsprung, Weitsprung, 100m-Sprint, Hürdenlauf und 220m-Lauf. Laufen war Erics liebste Sportart und als seine Zeit an der Universität begann, nahm man immer mehr Notiz von seiner unglaublichen Geschwindigkeit.

1924 war Eric, im Alter von zweiundzwanzig Jahren, Großbritanniens große Hoffnung auf eine Goldmedaille bei der Olympiade in Paris. Aber als der Wettkampf anstand, weigerte sich Eric in seinen besten Disziplinen, dem 100- und 220m-Lauf, anzutreten, weil der Qualifizierungslauf an einem Sonntag stattfand. Er hielt es für richtiger, den Sonntag in einer Kirche zu verbringen, was er auch tat. Statt zu laufen und sich für den Wettkampf zu qualifizieren, predigte er.

Die Presse kritisierte ihn scharf, aber aus der Kritik wurde Begeisterung, als er lief – und mit einem Weltrekord siegte – in der 400m-Disziplin, einer Strecke, für die er so gut wie nie trainiert hatte. Niemand hatte mit einer solchen Leistung gerechnet.

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