Zu einem Einsiedler kam ein Ritter: „Vater“, sagte er, „habt Ihr es gut, nichts ficht Euch an.“ Der Einsiedler lächelte: „Es ist recht schön hier, aber meine Arbeit ist oft so schwer, dass ich nicht weiß, wie ich sie bewältigen soll.“ – „Arbeit? Ihr habt doch nichts zu tun!“ – „Freilich, zwei wilde Falken soll ich zähmen, zwei Hasen muss ich aufhalten, zwei Sperber abrichten, einen Lindwurm bewachen, einen Löwen bändigen und einen elenden kranken pflegen.“ Der Ritter sah den Alten ganz entsetzt an: „Vater, diese Aufgabe kann kein Mensch auf einmal vollbringen! Gebt mir die Falken oder die Sperber, ich verstehe mich auf die Vögel!“ Der Einsiedler lächelte leise „Herr, habt Ihr nicht schon genug mit solchen Tieren zu tun? Sehet, die Falken sind meine Augen! Die schießen und spähen umher, ob da nichts ist, was ihnen gefällt. Wie muss ich Sie bewachen, dass Sie nicht am Hässlichen hängen bleiben! Die Hasen sind meine beiden alten Füße. Nicht genug sind sie im Leben gerannt und gelaufen, immer wieder suchen sie den breiten Weg der Lust. Die Sperber sind meine Hände, die zur Arbeit abgerichtet werden sollen, der böse Lindwurm ist die Zunge, die so scharf stechen und so übel verwunden kann. Wie schwer wird es, ihr Sanftmut und Freundlichkeit beizubringen. Mein Herz ist der Löwe, der bäumt sich auf gegen alle Zucht und Ordnung, wütet und tobt wider alles, was edel und gut und Gott wohlgefällig ist! Da heißt es täglich ringen und die Gedanken auf das Gute lenken. Der Kranke ist mein Leib, der bald hungrig, bald dürftig, bald müde und matt ist. Was habe ich nicht allein mit diesem mürrischen Gesellen zu tun! Der Ritter schaute nachdenklich auf und sagte leise: „Ich habe schon lange die Arbeit mit diesen Tieren aufgegeben! Mir sind sie zu stark geworden!“ – „Du bist wohl allein an diese schwere Arbeit gegangen? Ich aber habe einen treuen Kampfgenossen! Den bitte ich immer um Beistand, und wenn mir eines der wilden Tiere Not und Schmerzen macht – er ist noch mit jedem fertig geworden.“ „Wer ist dieser Held? Zeig ihn mir, damit ich von neuem mit Mut und Hoffnung beginne!“ Der Alte antwortete feierlich: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“ (Phil. 4,13.)



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